 RaveN |
John McCrea -->> Ich hasse Musik! <<--| Wenn man John McCrea gegenüber steht, dann ist man erst einmal überrascht. Vollbärtig, mit Eighties-Sonnenbrille, dass es Kollegin Lütz das Herz schmelzen würde, und einem Trucker-Cap aus der Prä-Kutscher-Ära kommt er in den Raum. |
Ihr wart ja für heutige Verhältnisse ziemlich lange weg.
Naja, wir haben unser letztes Studioalbum 2001 aufgenommen. Drei Jahre zwischen Alben ist mittlerweile eine lange Zeit. Aber das Lustige ist, dass wir jetzt durch die Zeit, die wir von der Bildfläche verschwunden waren, populärer sind als zuvor. Die Angebote, die wir bekommen, sind jetzt größer als nach der Veröffentlichung des letzten Albums. Irgendwas muss passiert sein, das uns wertvoller erscheinen lässt. Vielleicht ist die Musik, die es zur Zeit auf dem Markt gibt, noch beschissener geworden. Normalerweise wäre es ja so, dass man während einer Single-Veröffentlichung wertvoller ist als nach drei Jahren Pause.
Naja, das mit der schlechten Musik könnte stimmen.
Ich hasse Musik! Ich bin regelrecht hasserfüllt.
Hass gegenüber jeder Art von Gegenwartsmusik?
Nein, ich liebe auch viel Musik. Aber wir werden mit mindestens genauso viel Mist vollgestopft. Aber ich denke, was die Kombination von Kapitalismus und Musikindustrie angeht, dass die Leute in den Schlüsselpositionen sehr unflexibel und gierig sind. Sie hängen zu sehr ausgedienten Paradigmen nach. Ob das jetzt ein Babyboomer-Musikkritiker ist oder der Chef einer Plattenfirma, der nur auf die New York Dolls und Lou Reed steht. Diese Leute akzeptieren nur sehr widerwillig neue Musik. Oder es geht Sexismus.
Das sind die Gesetze des Marktes: einfache Musik und Sex verkaufen sich.
Stimmt. Und weißt du was? Auch ich stehe auf einfache Musik und Sex. Da ist ja nichts Falsches dran. Aber es muss auch die Gegenbewegung geben, mit einer Art Subtext. Sonst wird Musik nur noch voraussehbar. Es geht doch darum: ein Thema zu finden, das man variiert. Tut man das nicht, produziert man nur Wiederholungen. |
Aber wenn man ihnen qualitativ hochwertigere Musik zeigen würde, würden sie sich umentscheiden. Viele Leute hören die Chili Peppers, wissen aber nicht, dass es eine Band wie Mother Tongue gibt.
Ich glaube nicht, dass die Leute dumm sind. Sie sind einfach nur zu beschäftigt mit ihrem Leben. Du und ich dagegen besitzen eine höhere kulturelle Aufmerksamkeit durch das, was wir tun. Die meisten Leute gehen tagsüber auf die Arbeit und können sich nicht darum kümmern, was sie hören sollen. Abends denken sie dann: "Was soll ich bloß für Musik hören? Ich muss mich um meine Familie kümmern. Ich kann es mir nicht leisten, in dieser Atmosphäre zu leben, wo die Luft dünn wird und jeder genau hinsieht, was grade In ist und was nicht." Die meisten Leute leben in einer Welt, die sehr bourgeois ist.
Und dann machen sie die Glotze an, und MTV liefert ihnen die Musik, die sie mögen sollen.
Genau. |
Und danach seid ihr wieder ins Studio gegangen?
Wir haben uns erst mal überlegt, was wir an der Studioarbeit nicht mögen. Es wurde schnell klar, dass wir keine anderen Leute um uns rum haben wollen. Also haben wir ein altes Haus in Nordkalifornien gekauft, und uns dort mit Aufnahme-Equipment breitgemacht. Dann haben wir gelernt, wie man das Zeug bedient und unser eigenes Album aufgenommen. Ohne fremde Leute. Darum mag ich dieses Album. Weil es so ein gutes Gefühl war, die Zügel selbst in die Hand zu nehmen. Man kann den Lernprozess auf dem Album hören. Es gibt Geräusche auf den Aufnahmen, die nicht da sein sollten. Es ist nicht so wie die Strokes oder die Hives, die versuchen, Scheiße zu klingen, aber in Wirklichkeit ist es völlig überproduziert. We just didn't know what the fuck we were doing! Wir haben alles drauf gelassen. Im Leben geht es nicht um Perfektion, sondern um das Angemessene. Wenn etwas klappt, klappt es, wenn nicht, dann nicht. Es gibt diese Bands, die wie eine perfekte Nachbildung des Sommers von 1973 oder des Winters von 1968 klingen. Man muss diese stilistische Detailverliebtheit wertschätzen, die in diesen Bands steckt. Das ist sehr selbstbewusst und sehr stilbewusst. Wir sind nicht so gut, wenn es um Stilbewusstsein geht. Wir gehen einfach ins Studio und probieren rum. Ich will gar nichts Schlechtes reden über diese Bands, es ist ein sehr interessanter, postmodernistischer Ansatz. Wie mit dem Toaster, bei dem du nicht sagen kannst, ob er aus dem Kaufhaus ist oder tatsächlich von 1968. Für uns war das Album eine der wichtigsten Erfahrungen. Wegen dem Produktionsprozess und der totalen Missachtung der Vorgänge in der Musikindustrie sowie der Tatsache, dass kommerzielles Radio Scheiße ist.
Habt ihr denn mehr Zeit gebraucht im Studio, weil ihr alles selber gemacht habt?
Wir lassen uns immer Zeit. Selbst produziert haben wir uns ja schon immer. Du brauchst Zeit, um Objektivität für dein Schaffen zu entwickeln. Wenn du 16 Stunden an einer Gitarren-Spur gearbeitet hast, wird es dir sehr schwer fallen, die Objektivität zu haben, zu sagen: "Wir brauchen diese Spur gar nicht!" Du musst Abstand von diesem Gemälde nehmen, so ca. drei Wochen, bis du den Mut hast, noch mal alles zu verwerfen.
Hattet ihr solche Momente, wo ihr dachtet: "Mensch, ist das ein Mist?"
Auf jeden Fall. Die ganze Zeit. Es war schmerzhaft. Aber auf eine bestimmte Art und Weise war es sehr gut, denn nur so lernst du wirklich Dinge über Musik, Arrangements, Produktion, Songwriting. Wenn wir das nicht selbst gemacht hätten, würden wir nicht viel gelernt haben. Viele Bands gehen ins Studio, spielen ihre Songs, und überlassen sie dem Produzenten. Ich denke, man kann so viel über das lernen, was man gerade gemacht hat, wenn man es selber schneiden muss. Wenn man sein eigener Kritiker sein muss. Man kann wohl viel über dieses Album sagen, aber nicht, dass es zu glatt ist, oder zu überproduziert. |
Eure Lyrics sind mitunter Recht subtil. Wollt ihr eure Hörer eher zum Nachdenken anregen als zum Tanzen?
Natürlich geht es in erster Linie um die Musik. Aber man muss auch in der Lage sein, sich von Rationalität loszumachen. Wir haben nicht unbedingt diese Texte, die nach einem A, B, C, D, E-Schema aufgebaut sind. Sie sind eher A, C, D, E und lassen B aus. Das streut ein bisschen Konfusion. Aber generell geht es darum, die Musik zu genießen, und sich dann vielleicht mal graduell mit den Inhalten zu beschäftigen. Wenn ich meine Songtexte für alle klar verständlich machen würde, hätte das nicht mehr viel mit Musik machen zu tun, sondern eher damit, Essays zu schreiben. |
Ein Bild, das sich wie ein roter Faden durch eure Texte zieht, ist das Bild von Autos. Bist du ein Auto-Freak?
Nein, ich hasse Autos. Ich denke, dass wir Autos abschaffen müssen. Autos sind ungesund für die menschliche Gesellschaft. Sie sind eine entfremdende Kraft. Das sind Stahlkisten, die viel über die Sexualität, das Selbstbewusstsein seines Besitzers aussagen. Das ist cool. Aber es gibt zu viele Menschen mit zu vielen Autos. Entweder sterben Millionen von Menschen, oder wir schaffen Autos ab. Da wo ich herkomme, aus Kalifornien, definieren sich die Leute über ihre Autos. |
Quelle

________________________________________
Und hier eine schöne Kundenrezension über Cake bei amazon:
Jedesmal wenn ich mich mit jemand über Musik unterhalte kommen
wir irgendwann an den Punkt wo sich folgender Dialog abspielt
Ich: "Kennst du eigentlich Cake?"
Er/Sie: "Nö. Nie gehört"
Ich: "Da musst mal reinhören. Ist eine meiner Lieblingsbands."
Er/Sie: "Was machen denn die für'ne Musik?"
Ja, was machen Cake denn für Musik? Würde man mich nach einer Band fragen mit der man den Sound von Cake am besten vergleichen kann würde ich sagen: "CAKE!" Denn die Jungs aus Sacramento haben ihren ganz eigenen Stil. "Alternative Country Rock mit ner Trompete" könnte man vielleicht dazu sagen wenn man ihre Musik unbedingt in eine Schublade quetschen möchte. Man könnte auch einfach sagen, dass Cake "Songs schreiben die man aus Tausenden raushört", wie der Musikexpress trefflich ihr neuestes Album "Comfort Eagle" rezensierte.
Nun habe ich als der-Welt-größter-Cake-Fan (tm) natürlich alle ihrer Alben aber dieses hier, "Prolonging the Magic", ist mir das Liebste. Das hängt natürlich stark damit zusammen, dass "Prolonging the Magic" meine erste Berührung mit Cake war und damit, dass ich die Platte so oft gehört habe, dass sich jeder einzelne der 13 Songs unlöschbar in mein Gehirn eingebrannt hat.
Als ich das Album das erste mal hörte dachte ich:
"Joa. Das hört sich schon ganz nett und relaxed an."
Aber schon beim zweiten Hören war ich völlig gefangen von der Magie die Cake hier versprühen. Catchy Basslinien wie im Opener "Satan is my Motor" oder in "Never there", der Refrain zum Mitgrölen in "Sheep go to heaven", das sensationelle Riff in "Guitar" oder einfach pure Schönheit in "Walk on by" oder "Alpha Beta Parking Lot". Jedes Lied ist etwas ganz besonderes. Hier gibt es keine Durchhänger. "All Killer, No Filler, Ladies and Gentlemen."
Und wer dann noch das Glück hatte einem Konzert von Singer/Sonwriter John McCrea und seinen Kollegen beizuwohnen und hören konnte wie eine begeisterte Masse jedes (aber auch wirklich jedes) einzelne Wort der Songs mitsang, der wird wohl nie mehr loskommen von dem Quintett mit dem ganz speziellen Humor und der ganz speziellen Musik.
Ein Album für jeden Tag des Jahres. Für morgens, für mittags, für abends und für die Nacht. Für Regen und für Sonne, für Wind und für Schnee, für Sommer und für Winter, für Frühling und für Herbst. Na ja. Ich glaube die Botschaft ist angekommen:
DIESES ALBUM MUSS MAN EINFACH HABEN!
Quelle |
obwohl mein absolutes Lieblingsalbum nach wie vor Fashion Nugget ist.

 | |