Da kannze besser aufm Flohmarkt gehen...SpVgg Erkenschwick - SC Westfalia Herne 1:1 (0:0), Sonntag, 11.12.2005. Oberliga Westfalen, 18. Spieltag
Anfahrt
Winterlich kalt und grau ist es an diesem Sonntag Morgen als wir uns auf die "über-die-Dörfer-Tour" nach Erkenschwick aufmachen. S-Bahn, umsteigen in Dorstfeld, in Castrop-Rauxel umsteigen in den Bus, In Henrichenburg in den nächsten Bus und in Datteln noch mal den Bus wechseln, raus am Berliner Platz. Trotz Sonntag und dem bei den Vestischen üblichen 30-Minuten-Takt klappt die Anreise hervorragend. Lange Wartezeiten bleiben uns erspart, bei den Temperaturen wissen wir das zu schätzen.
Am Berliner Platz angekommen, gehen wir zum nächsten Kreisverkehr, halten uns dort links, über den Parkplatz und dort konnte man schon die ersten Gästefans aus Herne ausmachen. Hinter dem Parkplatz deuten sich schon zwei Trainingsplätze an, an denen man vorbei muß, dahinter liegt dann das Stimberg-Stadion.

Stadion und Umfeld
Das Stimberg-Stadion liegt ungewöhnlich zentral nahe der Ortsmitte von Erkenschwick und weiß auf Anhieb zu gefallen. Die Mauern und Gebäude im Bereich des Haupteingangs sind mit Fußball-Graffiti verziert, Spielszenen auf der einen, das Wappen der Hausherren auf der anderen Seite. Mit 8€ liegt der Eintritt eher am oberen Limit für einen Oberligisten, aber immerhin kostet weder überdachtes Stehen, noch der Sitzplatz auf der Haupttribüne extra.

Das Stadion macht insgesamt einen recht ordentlichen Eindruck, die Haupttribüne scheint nach dem gründlichen Umbau in den 70er Jahren noch einmal renoviert worden zu sein und erstreckt sich fast über die gesamte Hauptseite. Im mittleren Bereich der ganz überdachten Tribüne befinden sich die Sitzplätze, rechts und links davon je ein großer Block mit überdachten Stehplätzen. In dem, vom Spielfeld aus gesehen, linken sammeln sich der größte Teil der Erkenschwicker Fans, der rechte bleibt fast völlig ungenutzt an diesem Tag.
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Die Kurven und die Gegengerade bestehen fast vollständig aus Stehstufen, nur unterbrochen vom Marathontor in der Mitte der Gegengerade und einem, etwas käfigartigen, unüberdachten Sitzblock neben dem Marathontor, der sicherlich erst später umgebaut wurde.

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Hinter der Haupttribüne und auch in der Gegengerade befinden sich je ein Grill- und Getränkestand, angeboten werden eine sehr leckere Bratwurst für 1,70€, Nackensteaks für 2€ (sahen gut aus und rochen auch sehr lecker) und Frikadellen für 1,50€, an Getränken ist Bier, Cola, Fanta und Mineralwasser erhältlich, sowie als Heißgetränke Kaffee und Glühwein, alles zu erträglichen Preisen. Ein Fanshop gegenüber dem Haupteingang vervollständigt das Ensemble.

Dort bekommt man auch das kostenlose Stadionheft, auf 28 Seiten im DIN A4-Format erfährt man alles Wichtige zum Verein, Gegner und Spieltag, ein ordentlich gemachter Schmöker.
Spiel
Spvgg. Erkenschwick: Ritz; Fischer-Riepe, Magga, Falkowski, Kasperidus, Damnitz (69. Knößl), Wood (82. Lenz), Bendig, Grallert, Woidtke, Yavuzaslan
SC Westfalia Herne: Bautz; Celik, Neumann, Seidel (87. Kaub), El-Nounou, Makarschuk, Barton, Dohm (62. Köse), Erzen, Sürgit, Tercic
Schiedsrichter: Sebastian Moritz (Bielefeld)
Zuschauer: 1200
Gelbe Karten: Magga, Damnitz, Grallert, Woidtke, Yavuzaslan; Tercic
Gelb-rote Karte: Yavuzaslan (86. wiederholtes Foulspiel)
Tore: 1:0 (46.) Woidtke, 1:1 (65.) El-Nounou (Handelfmeter)

Derbies haben immer ihren besonderen Reiz, das gilt natürlich gerade auch im Ruhrgebiet. Und so hatten sich auch für dieses Spiel beide Teams einiges vorgenommen. Nach einer erneut nur durchwachsenen ersten Hälfte der Saison brauchten die Gastgeber einen Sieg gegen Herne, um wieder Anschluß nach oben zu finden und um sich für die 0:3 Hinspielschlappe zu revanchieren, die Gäste mussten gewinnen, um die 1:5 Pleite am vergangenen Spieltag bei der Zweitvertretung des BVB 09 auszubügeln und um nach dem anfänglichen Höhenflug nicht gänzlich ins Mittelmaß abzurutschen. Und so begann man dann auch schwungvoll und engagiert, dabei die Gäste aus Herne zunächst die spielerisch bessere Mannschaft.
Allein das Glück fehlte, Erzen scheiterte gleich zwei Mal am Erkenschwicker Tormann, dazu eine Riesenmöglichkeit von Westfalias Hasan Sürgit schon in der 6. Minute nach einem Eckstoß, aber es sollte in der ersten Halbzeit kein Tor fallen.
Dafür viele Nicklichkeiten und kleinere Fouls, die oft den Spielfluß unterbrachen und den Schiedsrichter immer mal wieder in Verlegenheit brachten.
Nach dem Seitenwechsel dann ein Erkenschwicker Blitzstart nach Maß!
Der Zeiger hatte noch keine ganze Umdrehung geschafft, da zappelte der Ball im Netz vom Herner Keeper Bautz. Woidtke nahm die Einladung der Herner Abwehr zum Torschuß an und verwandelte zu 1:0 für die Hausherren nach nur 35 Sekunden in der zweiten Halbzeit. Nun nahm die Spielvereinigung das Heft in die Hand, machte Druck und versuchte mit dem 2:0 den Sack zu zu machen. Aber es sollte nichts Zählbares herausspringen. Dann die 65. Minute: Angriff Herne, der Ball kommt in den Strafraum und Sürgit köpft, Magga geht dazwischen und erlaubt sich dabei ein Handspiel, Elfmeter für die Gäste aus Herne!

Sami El-Nounou lässt sich die Chance nicht entgehen und verwandelt zum Ausgleich. Danach spielte eigentlich nur noch der SCW und vergab dabei Tormöglichkeiten für drei Spiele, nur seltene Entlastungsversuche der Spielvereinigung. Eine durchweg spannende und kurzweilige zweite Spielhälfte, aber da Herne selbst die Überzahlsituation nach der gelb-roten Karte gegen Erkenschwicks Yavuzasla nicht ausnutzen konnte, trennte man sich 1:1 unentschieden, wobei sich die Gastgeber vor allem bei Torwart Ritz bedanken konnte.
Stimmung
Derbygerecht auch die Stimmung an diesem Tag im Stimbergstadion, obwohl die Zuschauerzahl, wohl aufgrund der Witterung, leider etwas gering war. Insgesamt sahen ca. 1.200 Zuschauer die Begegnung, davon gut 600 Kinder und Jugendliche, die Freikarten erhalten hatten.
Die Fans des Heimteams versammelten sich, wie schon erwähnt, auf den Stehplätzen unter dem Tribünendach, dazu noch eine kleinere Gruppe auf der Gegengerade,
die Gästefans bezogen in der nördlichen Hälfte der Gegengerade, neben dem "Sitzkäfig" Stellung. Zum Einlauf der Mannschaften gab es Schwenkfahnen auf Herner Seite, ein paar Doppelhalter auf Seiten der Erkenschwicker.
Während des Spiel dann ein durchweg solider Support beider Fanlager, wobei die Fans der Spielvereinigung durch den Standort unter dem Dach akustisch überlegen waren. Beim des Verlesens der Mannschaftsaufstellung und einige wenige Male während des Spiels machen sich auch die Heim-Fans auf der Gegengerade mit lange nicht gehörten Gasdruckfanfaren und Sprechchören bemerkbar.

Auch die Gästefans feuern ihr Team an, sind aber nicht immer gut zu hören, da der Gästeblock in der Gegengerade keine Überdachung hat. Wie es bei einem Derby unter Rivalen üblich ist, wurden auch einige Nettigkeiten ausgetauscht, so hieß es z.B. aus dem Erkenschwicker Block „Ohne Harz 4 wärt ihr gar nicht hier!“ und Herne hob mit „Ohne Schiri habt ihr keine Chance!“ auf die Leistung der Unparteiischen ab.
Nach dem 1:0 Führungstreffer gab es im Heimblock ein paar Wunderkerzen zu sehen, kurz darauf versuchte man es mit ein bischen Rauch, was aber nicht nur auf Zustimmung stieß. Nach dem Spiel feierten die Herner ausgelassen den Punktgewinn mit Torwart Bautz am Zaun.
Fazit
Ein sehr ansehnliches Stadion, die Bratwurst ein Hit  , tolle Stimmung, ein spannendes und kurzweiliges, wenn auch nicht sonderlich hochklassiges, Spiel, alles in allem ein netter Sonntag Nachmittag. So steigen wir durchgefroren aber zufrieden in den Bus zur Rückfahrt, die genauso gut klappt, wie die Hinfahrt und freuen uns auf den Tee und die Bundesliga im Radio zu Hause. Erkenschwick könnte ich mir bei wärmerer Witterung sicherlich noch ein mal Vorstellen. |