Stefan Aust - des Spiegels Totengräber? |
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Hans Wurstsuppe |
Seit Stefan Aust am Ruder ist, gefällt das Blatt immer weniger, er wurde neoliberaler, schlampiger und nebensächlicher. Ein taz mag-Artikel von heute hat die Meinung noch weiter verstärkt, schon traurig, wenn sich der Chefredakteur eines "Polit-Magazins" mehr für Pferde interessiert als für Politik. Es geht um das bald erscheinende Buch "Der Spiegel-Komplex - wie Stefan Aust das Blatt für sich wendete" von Oliver Gehrs, <amazon>3426273438</amazon> - nach dem Vorabdruck zu urteilen sicher ein sehr interessantes Buch und bestimmt nicht nach Herrn Austs Geschmack. Denn es wird schonungslos aufgezeigt, wie abgehoben der Mann bereits ist und wie weit er noch darüber hinaus möchte.
Als ich die Passage mit Schily las, zimmerte ich mir sofort einen Zusammenhang zur Berichterstattung bei der Visa-Affäre. Der Spiegel hat bekommen was er wollte, und sicher einen grossen Anteil an der gesamten Entwicklung: Joschka Fischer rutscht in der Beliebtheit ab Schily hat sich sicher darüber gefreut.
Was sagen die anderen Spiegel-Leser dazu, was fällt euch ein zur Entwicklung, seit der selige Jever-Liebhaber Augstein an Aust abgegeben hat? Für mich ist von Augstein zu Aust nicht nur im Nachnamen des Chefs eine Halbierung, sondern auch bei der Wertschätzung, die ich dem Blatt entgegenbringe. |
marymary |
Ulrike Meinhof würde sich im Grabe umdrehen |
Hans Wurstsuppe |
Oder doch nicht, immerhin hat er ihren Zwillingen quasi das Leben gerettet, in dem er sie vor der Unterbringung in einem palästinensischen Waisenhaus, das später von Israel dem Erdboden gleich gebombt wurde, bewahrt hat.
Auch solche Sachen stehen zuhauf in dem Buch, zu der erwarteten Abrechnung gesellen sich recht viele Passagen, die Stefan Aust in gutes oder zumindest neutrales Licht rücken. Aber schön zu lesen, vielleicht aber etwas langweilig für ältere Semester, da es auch viel (links)geschichtlichen Rückblick gibt. Mir hats gefallen, las sich flüssig und ich kannte das meiste nicht. Dennoch, seit er "Der Fall Deutschland" abgedreht hat (auch hier hat übrigens Gabor Steingart wieder die Vorarbeit geleistet) ist klar - neoliberal ist untertrieben, er ist krass marktradikal. Oder warum hätte ihm sonst soviel dran gelegen, seinem Spezi Pischetsrieder (VW-Vorstand) soviel Raum in der Doku zu lassen. Der durfte dort alle Streichungen mit dem Markt erklären. Und bevor ich Kurt Biedenkopf, der zum Schluss wegen seiner Führung und seinem "Hofleben" als "König Kurt" verschrien war, Verzicht predigen lasse, überlege ich mir besser, für wen das jetzt alles eine ziemliche Provokation sein könnte. |
Tischplatte |
Ich weiß nicht woher ich das Zitat habe oder von wem es stammt, nichts desto trotz find ich es sehr treffend:
Ich finde das trifft den Nagel auf den Kopf. Ich hab mich in letzter Zeit immer wieder über reißerische Artikel geärgert. Früher war das Auftauchen von Polemik und Stimmungsmache im Spiegel fast nicht vorhanden. Jetz ist es nicht mehr zu übersehen. Ich find es auch völlig lächerlich, dass grundsätzlich bei den "Personalien" auf der vorletzen Seite eine halbnackte und semiprominente Grazie in Großformat abgedruckt wird, sei es eine tschechische ex-pornodarstellerin, die jetz in die Politik geht oder die Tochter eines russischen Milliardärs die sich für PETA auszieht. Die schlimmsten Entgleisung fand ich aber immernoch das Titelbild zum Thema Tsunami. Die Welle extragroß und extranah, und sogar zum Ausklappen, eventuelle Playboy-Leser unter uns werden das sicher kennen. Diese unglaublich überzogene Dramatik (ähnlich wie das schwarze Titelblatt zum 11. September) hängt mir wirklich zum Hals raus. |
[user:14152] |
miami |
mir ist selbst beim lesen aufgefallen, dass ich automatisch die ersten zeilen der artikelüberspringe.
der stil vieler autoren mit ihren schleimigen intros, die das gegenteil vpn subjektiv sind, nervt. |
marymary |
spiegel leser wissen mehr oder was geht hier ab? |
Hans Wurstsuppe |
Der geilste Verriss, den ich bisher über das Buch gelesen habe. Und das waren einige - aber du hast es nicht mal gelesen. Aber vielleicht einen der Verrisse, denn die Sache mit dem persönlichen Rachefeldzug kam mir bekannt vor. Andere sagen zudem, es sei eine Auftragsarbeit gewesen, aber egal - in erster Linie fand ich es unterhaltsam. Diesen Fred hab ich am Tag des taz-Vordrucks eröffnet, kannte nur diese Auszüge. Das Buch kann man so lesen, dass Aust ein sehr bewegtes Leben hatte, in dem er viel bewegt hat und es nach wie vor tun wird.
In der taz waren aber auch wirklich (bewusst?) die reisserischsten Stellen, sonst ist es gefüllt mit RAF, Brokdorf, Hausbesetzungen etc.
Und warum höre ich immer nur "Verspargelung der Landschaft", anstatt mal eine Studie zu sehen, die das von dir gesagte belegt? Aber egal, es gibt eh für fast jede Studie eine Gegenstudie. Kann sich jeder immer so legen, wie er es will. Aber deshalb gehen wir wählen. Ich bin auch der Meinung, dass die Grünen mal wieder ein paar Jahre in die Opposition sollten. Mehr Atomkraft brauchen wir daher trotzdem nicht. Sag das mit der Verspargelung mal jemandem, der in Mülheim-Kärlich lebt, der wird sich vielleicht verarscht vorkommen...
Versteh mich nicht falsch, ich halte Aust (nicht erst, aber gerade seit diesem Buch) für einen sehr ehrgeizigen Macher. Dass er nicht (mehr) meine Richtung vertritt, ist mein Pech, nicht seins. Und wer weiss, vielleicht stehen wir in 15 Jahren wieder auf der selben Seite. Politisch umzudenken ist nicht illegitim, kommt ja auch immer auf die Leute an, die den Parteien gerade vorstehen. Wenn die Grünen irgendwann nur noch von Claudia Roth und Verschnitten von ihr gelenkt werden, kann es bei mir schon so weit sein. Die taz wollte ich eigentlich aus der Diskussion raus lassen, sagen wir einfach, es ist ihr Geschäft, solche Artikel zu drucken, gerade im taz.mag am Samstag. Bleiben wir bei Buch und Spiegel.
Von richtig grosser Veränderung kann auch keine Rede sein, es sind die Nuancen. Aber vielleicht fallen sie mir nur wegen meiner Einstellung so krass auf. Meine mit Spiegel-Abo ausgestatteten Eltern, bei denen irgendwie eine Öffnung zum konservativen Denken gerade voll im Gange ist, wollten das Buch schliesslich auch nicht anrühren, weil sie den Auszügen wenig abgewinnen können. Ich denke, es liegt in erster Linie daran, dass man mit dem Alter ruhiger, weniger stürmischer und daher automatisch konservativer wird. Man ist mehr aufs eigene Wohl bedacht, statt die Welt verändern zu wollen. So ist es bei meinen Eltern und Stefan Aust dürfte es genauso gegangen sein. Nur dass er meinen Eltern noch dabei geholfen hat... |
[user:14152] |
Tischplatte |
Ich denke kaum. Kann es nicht eher sein, dass du den Spiegel nicht kritisch siehst/liest?
ich finde es ist nicht gerade ein Zeichen besonders gute Pressefotografie, wenn man die blutigsten und härtesten Fotos zeigt. Ansonsten kann man ja rotten.com für den Pulitzerpreis vorschlagen. Und allerdings denke ich, dass man ein schwarzes titelbild zu Ratze veröffentlichen kann und das es zum 9/11 sehr unpassend ist. Das eine ist Ironie und Sarkasmus (TAZ), das andere ist nur überzogene Dramatik und pseudo-Schockierung. |
[user:14152] |
Hans Wurstsuppe |
Auf jener Seite wird in der Regel nur Quark geschrieben und ihr Titel ist Ironie in Reinform. Wenn man Wiglaf Droste oder Ralf Sotschek lesen mag, ist die Seite trotzdem gelegentlich ein Genuss. Keiner hier behauptet, dass in der Zeitung nicht viel Müll stehen würde und sie nicht manchmal sehr streitbare Dinge von streitbaren Leuten druckt. Sie wird mir dadurch aber nicht unsympathischer, zumal ich nicht gezwungen bin, alles zu lesen. Sehr kritische Leserbriefe erntet sie übrigens auch genug, jedenfalls werden häufig welche abgedruckt . Dennoch, könnten wir jetzt endlich mal die taz hier raus lassen, wozu gibts Der Zeitungs-Fred? <wiki>Neoliberalismus</wiki>
Zu Recht in die Liste der exzellenten Artikel aufgenommen worden.
Wär aber eigentlich auch einen eigenen Fred wert, wenn du begründen willst, warum alle Kritiker Ewiggestrige sind... |
marymary |
word
wenn ich das wort neoliberal ind er zeitung lese ; überhaupt wo |
Tischplatte |
ganz einfach. Die Definition die du von Polemik hier zitierst ist einfach nicht ausreichend. Polemik heißt nämlich deutlich mehr als nur "unversoehnlich auf der eigenen meinung beharren". bitteschön, aus deiner Quelle:
und insbesondere dieses Unterhalten werfe ich dem Spiegel vor. Infotainment heißt das auf neudeutsch. oder das hier:
auch das scheinst du überlesen zu haben. wenn du schon quellen zitierst, dann reiß sie nicht aus dem Kontext.
Ich glaube es ist allen ersichtlich, dass Aust den Spiegel nicht von einem Tag auf den anderen schlagartig verändert hat. Ich habe vor ca 10 Jahren angefangen den Spiegel zu lesen und ich kann nunmal nicht umhin zu sagen dass er sich ganz eindeutig zum negativen verändert hat. Allein schon der Aufschwung des Focus hat den Spiegl dazu gezwungen ihre Philosophie zu ändern, damit die Auflage nicht einbricht. Ich finde es einfach signifikant, dass der Spiegel immer mehr Artikel veröffentlicht, die früher so nicht darin gestanden hätten.
du stellst meine Aussagen in einen komplett neuen zusammenhang. Ich habe nie gesagt, dass das Tsunami-Titelbild eines der "blutigsten oder härtesten" ist. Es sind zwei Paar Schuhe. Erstes Paar: Ich halte das Titelbild einfach für unpassend und immernoch dramatisierend; zweites Paar: die Fotos in der Zeitung halte ich für vielfach überzogen Hart und Blutig. Ich errinner nur mal an das Bild der von einem wütenden Mob gelynchten US-Söldner in Afghanistan. Ich finde es nicht nötig so ein Bild über eine Viertel Seite zu veröffentlichen. Natürlich ist es richtig und auch wichtig solche Fotos der Öffentlichkeit nicht vorzuenthalten, aber es ist nunmal eine delikate Sache und ich finde der Spiegel überschreitet oft die entsprechende Grenze. edit:
dir ist postwendend aber hoffentlich auch klar, dass Polemik ironisch und sarkastisch sein kann dass das aber im Umkehrschluss nicht heißt dass Sarkasmus und Ironie immer polemisch sind.
Was hat denn die Anzahl der Todesopfer damit zu tun? Du schreibst am Kern meiner Aussage vorbei. Für mich war das Titelblatt kein Zeichen von besonderer Anteilnahme. Andersrum wird ein Schuh drauß. Das Titelblatt sollte allein die Verkaufszahlen steigern, was meiner Meinung nach Respektlos gegenüber den Opfern und den Hinterbliebenden ist. Eine schwarze Fläche ist einfach kein adäquates Titelblatt für eine renommierte Zeitung, egal welche Tragödie in Relation dazu steht.
Deine Ferndiagnose über meine Zeitungsgewohnheiten sind wirklich sehr nett aber sind erstens falsch und zweitens völlig am Thema vorbei. Eigentlich sagt dein geschriebenes doch nur aus: "Der Spiegel war vielleicht zu dramatisch aber die TAZ war noch viel schlimmer." Ich find weder die eine noch die andere Angehensweise gut. Das sind aber wieder zwei verschiedene Paar Schuhe. Das eine ist Dramatik, das andere ist Verschwörungstheorethik.
wieso bitteschön widerlegt das Geschreibsel in der TAZ meine Aussage über überzogene Dramatik im Spiegel?
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Hans Wurstsuppe |
Wenn es für dich einen Unterschied macht, können wir ab jetzt auch gerne "wirtschaftsliberal" sagen. Bei neoliberal läuten mehr Alarmglocken, daher verwende ich es lieber und weiss auch, was ich damit bezwecke. Zum Thema taz: Ich gebs auf, führt es halt zu Ende, wenn es sein muss... Dabei hatte ich als NRW-Abonnent nicht mal dieses gottverdammte schwarze Ratzetitelblatt. Nein, auf meiner Ausgabe mit Redaktionsschluss 17 Uhr sah man den Vater aller Heuschrecken mit der Aussage "Münte, stopp Springer". |
[user:14152] |
Hans Wurstsuppe |
Dass ich das kann, glaubst du doch selbst nicht, oder? Lass gut sein. Aber danke für deine Mühe, war an sich klar, dass hier für mich kein Blumentopf zu gewinnen, sondern nur viele Blumentöpfe zu betrachten waren. |
Hans Wurstsuppe |
Oliver Gehrs durfte in der taz mal wieder ran, scheinbar tut sich da was, ganz nach seinem Gusto.
Aust zu Springer, am besten mit Steingart im Gepäck - nur ein schöner Traum? Bereits 5 Tage zuvor durfte Gehrs an gleicher Stelle schon mal zu seinem Lieblingsthema referieren, damals ging es um ein Portrait von Aust in der eigentlich zweiten (!) Ausgabe von Park Avenue.
Irgendwie mag ich den Gehrs, großes Kino dank sehr gehobenem, latent anmutenden Flaming - à la bonheur. |
| <----ALX----> | 18:41 13.06.08 "Kriminelle Ausländer" (177|1335) |
| CruSheR | 18:04 08.06.08 Schock! Berliner Zoo verscherbelt Knut an Russen-Milliardär! (7|849) |
| sour_mash | 18:03 30.04.08 "Heil Hitler, Herr Friedman!" (32|790) |
| -N-omen -N-ominandum | 17:39 25.01.08 Craig Venter spielt Gott (20|561) |
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