kiffer.net

Stefan Aust - des Spiegels Totengräber?

Suche

Hans Wurstsuppe
Seit Stefan Aust am Ruder ist, gefällt das Blatt immer weniger, er wurde neoliberaler, schlampiger und nebensächlicher. Ein taz mag-Artikel von heute hat die Meinung noch weiter verstärkt, schon traurig, wenn sich der Chefredakteur eines "Polit-Magazins" mehr für Pferde interessiert als für Politik. Es geht um das bald erscheinende Buch "Der Spiegel-Komplex - wie Stefan Aust das Blatt für sich wendete" von Oliver Gehrs, <amazon>3426273438</amazon> - nach dem Vorabdruck zu urteilen sicher ein sehr interessantes Buch und bestimmt nicht nach Herrn Austs Geschmack. Denn es wird schonungslos aufgezeigt, wie abgehoben der Mann bereits ist und wie weit er noch darüber hinaus möchte.

In der kommenden Woche erscheint eine Biografie über den Spiegel-Chef Stefan Aust, die zeigt, wie sich beim Hamburger Nachrichtenmagazin die Kritik an den Mächtigen zur eigenen Lust an der Macht gewandelt hat. [...]

Manchmal kommt es Stefan Aust so vor, als ob die anderen Journalisten nichts vom Spiegel lernen würden. Zum Beispiel, wenn ihn Reporter besuchen und dumme Fragen stellen oder über Fehler sprechen wollen, die er angeblich mache. Dann wird er schon mal ungehalten und ist kurz davor, das Gespräch abzubrechen. Manchmal droht er auch mit dem Anwalt. Oder wenn einer kommt und ihn porträtieren will, dann schreibt er vorsichtshalber einen Brief, dass er "natürlich davon ausgehe", "dass Sie den ohnehin geschützten Privatbereich respektieren werden". Das klingt, als sei er nicht nur seit zehn Jahren Chefredakteur des Spiegels, sondern inzwischen Chefredakteur von Deutschland.

Als Chefredakteur von Deutschland hat es Aust nicht leicht. Es ist praktisch eine politische Funktion, ein bisschen so wie die des Innenministers. Wenn er seinen alten Bekannten Otto Schily trifft, dann sind das Gespräche auf Augenhöhe. Hier der frühere RAF-Anwalt, der mit betretener Miene an Ulrike Meinhofs Grab stand und in geschliffenen Plädoyers hart mit dem Rechtsstaat ins Gericht ging. Der heute für einen starken Staat und eine restriktive Ausländerpolitik kämpft, aber dennoch nicht als gewendeter 68er gilt, weil er schon immer feine Anzüge mit Weste und eine Taschenuhr trug. An seiner Seite der streitbare Journalist, der gegen die USA, gegen Springer und gegen die Atomkraft anschrieb und der heute ein Blatt macht, das ein großes Herz für die Wirtschaftskapitäne hat und ein eher kleines für Minderheiten. Ein Journalist, der auch nicht als gewendeter Linker gelten kann, weil er zwar über Jahrzehnte links gehandelt, aber wohl nie gedacht hat. Wer daraus einen ideologischen Zusammenhang zimmert, ist selbst schuld. [...]

Wenn Aust der kleine König ist, dann ist Gabor Steingart sein Kronprinz. Noch vor zehn Jahren war Steingart ein Jungredakteur unter vielen, dessen besondere Forschheit im Gewimmel der Spiegel-Talente nicht weiter auffiel. Höchstens sein Gesicht, das immer noch eine Spur mokanter wirkte als das der anderen, selbst wenn es Rudolf Augstein war, dem er gegenübersaß. [...]
Es gibt sogar nicht wenige, die behaupten, Steingart sei im Grunde genommen wichtiger als Aust, weil der sich aus Politik nicht so viel mache. Es heißt, Aust habe sich 1998 eine große Koalition gewünscht mit seinem Bekannten Volker Rühe als Vizekanzler. Das sage alles. [...]

Auf Kritik von außen reagiert Aust so gereizt, weil es Kritik innerhalb des Spiegels kaum noch gibt. Wenn nicht mal mehr die Spiegel-Redakteure bei ihm nachfragen, warum sollte es dann jemand dürfen, der nicht vom Spiegel kommt. So gesehen ist Aust vielleicht der Einzige, der wirklich glaubt, der Spiegel sei unabhängig. Selbst von ihm. [...]

Es ist irgendetwas schief gelaufen in Austs Amtszeit: Im Spiegel selbst sind die kritischen Stimmen verstummt, er ist innen hohl. Aber drum herum werden die Kollegen plötzlich frech. Die Journalisten, aus denen er Spiegel-Leute machen sollte, sind keine mehr - dafür führen sich diejenigen wie Spiegel-Leute auf, für die er eigentlich gar nicht zuständig ist.

Als ich die Passage mit Schily las, zimmerte ich mir sofort einen Zusammenhang zur Berichterstattung bei der Visa-Affäre. Der Spiegel hat bekommen was er wollte, und sicher einen grossen Anteil an der gesamten Entwicklung:
Joschka Fischer rutscht in der Beliebtheit ab

Schily hat sich sicher darüber gefreut. *greis*


Was sagen die anderen Spiegel-Leser dazu, was fällt euch ein zur Entwicklung, seit der selige Jever-Liebhaber Augstein an Aust abgegeben hat? Für mich ist von Augstein zu Aust nicht nur im Nachnamen des Chefs eine Halbierung, sondern auch bei der Wertschätzung, die ich dem Blatt entgegenbringe.

marymary
...ein Blatt macht, das ein großes Herz für die Wirtschaftskapitäne hat und ein eher kleines für Minderheiten. Ein Journalist, der auch nicht als gewendeter Linker gelten kann, weil er zwar über Jahrzehnte links gehandelt, aber wohl nie gedacht hat


Ulrike Meinhof würde sich im Grabe umdrehen

Hans Wurstsuppe
Oder doch nicht, immerhin hat er ihren Zwillingen quasi das Leben gerettet, in dem er sie vor der Unterbringung in einem palästinensischen Waisenhaus, das später von Israel dem Erdboden gleich gebombt wurde, bewahrt hat.
Auch solche Sachen stehen zuhauf in dem Buch, zu der erwarteten Abrechnung gesellen sich recht viele Passagen, die Stefan Aust in gutes oder zumindest neutrales Licht rücken. Aber schön zu lesen, vielleicht aber etwas langweilig für ältere Semester, da es auch viel (links)geschichtlichen Rückblick gibt. Mir hats gefallen, las sich flüssig und ich kannte das meiste nicht.

Dennoch, seit er "Der Fall Deutschland" abgedreht hat (auch hier hat übrigens Gabor Steingart wieder die Vorarbeit geleistet) ist klar - neoliberal ist untertrieben, er ist krass marktradikal. Oder warum hätte ihm sonst soviel dran gelegen, seinem Spezi Pischetsrieder (VW-Vorstand) soviel Raum in der Doku zu lassen. Der durfte dort alle Streichungen mit dem Markt erklären. Und bevor ich Kurt Biedenkopf, der zum Schluss wegen seiner Führung und seinem "Hofleben" als "König Kurt" verschrien war, Verzicht predigen lasse, überlege ich mir besser, für wen das jetzt alles eine ziemliche Provokation sein könnte.

Tischplatte
Ich weiß nicht woher ich das Zitat habe oder von wem es stammt, nichts desto trotz find ich es sehr treffend:
Der Spiegel ist die Bild-Zeitung der Intelektuellen.


Ich finde das trifft den Nagel auf den Kopf. Ich hab mich in letzter Zeit immer wieder über reißerische Artikel geärgert.

Früher war das Auftauchen von Polemik und Stimmungsmache im Spiegel fast nicht vorhanden. Jetz ist es nicht mehr zu übersehen.
Ich find es auch völlig lächerlich, dass grundsätzlich bei den "Personalien" auf der vorletzen Seite eine halbnackte und semiprominente Grazie in Großformat abgedruckt wird, sei es eine tschechische ex-pornodarstellerin, die jetz in die Politik geht oder die Tochter eines russischen Milliardärs die sich für PETA auszieht.

Die schlimmsten Entgleisung fand ich aber immernoch das Titelbild zum Thema Tsunami.
Die Welle extragroß und extranah, und sogar zum Ausklappen, eventuelle Playboy-Leser unter uns werden das sicher kennen.
Diese unglaublich überzogene Dramatik (ähnlich wie das schwarze Titelblatt zum 11. September) hängt mir wirklich zum Hals raus.

 [user:14152]

miami
mir ist selbst beim lesen aufgefallen, dass ich automatisch die ersten zeilen der artikelüberspringe.

der stil vieler autoren mit ihren schleimigen intros, die das gegenteil vpn subjektiv sind, nervt.



marymary
spiegel leser wissen mehr oder was geht hier ab?

Hans Wurstsuppe
Der geilste Verriss, den ich bisher über das Buch gelesen habe. Und das waren einige - aber du hast es nicht mal gelesen. Aber vielleicht einen der Verrisse, denn die Sache mit dem persönlichen Rachefeldzug kam mir bekannt vor. Andere sagen zudem, es sei eine Auftragsarbeit gewesen, aber egal - in erster Linie fand ich es unterhaltsam. Diesen Fred hab ich am Tag des taz-Vordrucks eröffnet, kannte nur diese Auszüge. Das Buch kann man so lesen, dass Aust ein sehr bewegtes Leben hatte, in dem er viel bewegt hat und es nach wie vor tun wird.

In der taz waren aber auch wirklich (bewusst?) die reisserischsten Stellen, sonst ist es gefüllt mit RAF, Brokdorf, Hausbesetzungen etc.

wer glaubt, dass windkraftanlagen auf deutschem festland sinnvoll sind, der weiss nicht allzuviel ueber regenerative energien und sollte seine informationenen besser nicht ausschliessich von trittin und seiner oekokamarilla beziehen. naja, ist ja zum glueck bald vorbei.

Und warum höre ich immer nur "Verspargelung der Landschaft", anstatt mal eine Studie zu sehen, die das von dir gesagte belegt? Aber egal, es gibt eh für fast jede Studie eine Gegenstudie. Kann sich jeder immer so legen, wie er es will. Aber deshalb gehen wir wählen. Ich bin auch der Meinung, dass die Grünen mal wieder ein paar Jahre in die Opposition sollten. Mehr Atomkraft brauchen wir daher trotzdem nicht. Sag das mit der Verspargelung mal jemandem, der in Mülheim-Kärlich lebt, der wird sich vielleicht verarscht vorkommen...


und wer sagt ueberhaupt, dass es erstrebenswert ist als linker oder gewendeter linker zu gelten? und woher weiss gehrs, was und wie aust ueber jahrzehnte gedacht hat? wer sagt, dass man nicht gleichzeitig medienunternehmer und journalist sein kann? fragen ueber fragen. da die taz ebenfalls sich selbst gehoert, muesste die situation dort uebrigens sehr aehnlich sein. der unterschied ist nur, das die taz kaum gesellschaftliche relevanz hat.

Versteh mich nicht falsch, ich halte Aust (nicht erst, aber gerade seit diesem Buch) für einen sehr ehrgeizigen Macher. Dass er nicht (mehr) meine Richtung vertritt, ist mein Pech, nicht seins. Und wer weiss, vielleicht stehen wir in 15 Jahren wieder auf der selben Seite. Politisch umzudenken ist nicht illegitim, kommt ja auch immer auf die Leute an, die den Parteien gerade vorstehen. Wenn die Grünen irgendwann nur noch von Claudia Roth und Verschnitten von ihr gelenkt werden, kann es bei mir schon so weit sein. Die taz wollte ich eigentlich aus der Diskussion raus lassen, sagen wir einfach, es ist ihr Geschäft, solche Artikel zu drucken, gerade im taz.mag am Samstag. Bleiben wir bei Buch und Spiegel.


ich lese den spiegel (und einen haufen anderer zeitungen) seit etwas ueber fuenfzehn jahren, mir ist da keine grosse veraenderung aufgefallen.

Von richtig grosser Veränderung kann auch keine Rede sein, es sind die Nuancen. Aber vielleicht fallen sie mir nur wegen meiner Einstellung so krass auf. Meine mit Spiegel-Abo ausgestatteten Eltern, bei denen irgendwie eine Öffnung zum konservativen Denken gerade voll im Gange ist, wollten das Buch schliesslich auch nicht anrühren, weil sie den Auszügen wenig abgewinnen können.
Ich denke, es liegt in erster Linie daran, dass man mit dem Alter ruhiger, weniger stürmischer und daher automatisch konservativer wird. Man ist mehr aufs eigene Wohl bedacht, statt die Welt verändern zu wollen. So ist es bei meinen Eltern und Stefan Aust dürfte es genauso gegangen sein. Nur dass er meinen Eltern noch dabei geholfen hat...

 [user:14152]

Tischplatte
ch lese den spiegel (und einen haufen anderer zeitungen) seit etwas ueber fuenfzehn jahren, mir ist da keine grosse veraenderung aufgefallen. kann es eventuell sein, dass du dich geaendert hast, nicht der spiegel?


Ich denke kaum. Kann es nicht eher sein, dass du den Spiegel nicht kritisch siehst/liest?
wer sich fuer pressefotografie interessiert, dem kann ich die jahreschroniken des spiegel empfehlen, natuerlich nur wenn einem die realitaet nicht zu hart ist. uebrigens, ist jemandem aufgefallen, dass die taz seit ein paar monaten eine neue titelseite hat? und das mit der ueberzogenen dramatik kann ja wohl nicht ernst gemeint sein. bei 9/11 darf man kein schwarzes titelbild bringen, wenn ratze papst wird wohl?

ich finde es ist nicht gerade ein Zeichen besonders gute Pressefotografie, wenn man die blutigsten und härtesten Fotos zeigt. Ansonsten kann man ja rotten.com für den Pulitzerpreis vorschlagen.

Und allerdings denke ich, dass man ein schwarzes titelbild zu Ratze veröffentlichen kann und das es zum 9/11 sehr unpassend ist.

Das eine ist Ironie und Sarkasmus (TAZ), das andere ist nur überzogene Dramatik und pseudo-Schockierung.


 [user:14152]

Hans Wurstsuppe
verstaendlich, dass dir als taz-leser das ganze vollkommen egal ist. denn die taz laesst das ganze lieber am 13.9 von mathias broeckers kommentieren, unter der ueberschrift "verschwoerungstheoretische anmerkungen zu einem terroranschlag". das ganze dann auch noch auf einer seite, die "die wahrheit" heisst.

Auf jener Seite wird in der Regel nur Quark geschrieben und ihr Titel ist Ironie in Reinform. Wenn man Wiglaf Droste oder Ralf Sotschek lesen mag, ist die Seite trotzdem gelegentlich ein Genuss. Keiner hier behauptet, dass in der Zeitung nicht viel Müll stehen würde und sie nicht manchmal sehr streitbare Dinge von streitbaren Leuten druckt. Sie wird mir dadurch aber nicht unsympathischer, zumal ich nicht gezwungen bin, alles zu lesen. Sehr kritische Leserbriefe erntet sie übrigens auch genug, jedenfalls werden häufig welche abgedruckt . Dennoch, könnten wir jetzt endlich mal die taz hier raus lassen, wozu gibts Der Zeitungs-Fred?

*+ohrzu* <wiki>Neoliberalismus</wiki>
Zu Recht in die Liste der exzellenten Artikel aufgenommen worden.

Der Begriff Neoliberalismus ist ursprünglich eine Selbstbezeichnung, wird aber heutzutage nahezu ausschließlich von dessen Kritikern verwendet. Die Befürworter sprechen in der Regel von liberaler Wirtschaftspolitik.

Wär aber eigentlich auch einen eigenen Fred wert, wenn du begründen willst, warum alle Kritiker Ewiggestrige sind...

marymary
word @ [user:14152]:
auch wenn diese drei vorwuerfe natuerlich ebenso wenig durch beispiele belegt wurden und neoliberal sowieso nur als sinnentleertes fuellwort von ewiggestrigen benutzt wird, da keiner weiss was es ueberhaupt bedeutet und es je nach anwendungsgebiet immer anders, aber immer passend definiert wird.


*kotzrechts*wenn ich das wort neoliberal ind er zeitung lese ; überhaupt wo

Tischplatte
wuerde mich interessieren, wie du diesen widerspruch aufloesen willst.

ganz einfach. Die Definition die du von Polemik hier zitierst ist einfach nicht ausreichend. Polemik heißt nämlich deutlich mehr als nur "unversoehnlich auf der eigenen meinung beharren".

bitteschön, aus deiner Quelle:
Polemik sucht nicht den Konsens, sondern will fundamentalistisch niederkämpfen und dabei unterhalten.


und insbesondere dieses Unterhalten werfe ich dem Spiegel vor. Infotainment heißt das auf neudeutsch.

oder das hier:
Kennzeichen von Polemik sind oft scharfe Äußerungen, persönliche Angriffe und der Verzicht auf sachliche Argumente, die dem sachlichen Charakter einer vernünftigen, rationalen Diskussion entgegenstehen.


auch das scheinst du überlesen zu haben. wenn du schon quellen zitierst, dann reiß sie nicht aus dem Kontext.

abgesehen davon: seit wann liest du den spiegel ueberhaupt? stefan aust ist seit 1994 chefredakteur beim spiegel. solltest du also weniger als elf jahre leser des spiegels sein, kann dir zumindest wegen aust keine veraenderung aufgefallen sein. selbst wenn du schon solange den spiegel liest, ist es sehr unwahrscheinlich, dass ein neunjaehriger in der lage waere, polemik zu erkennen, so sie denn damals schon im blatt war. deswegen glaube ich nach wie vor, dass du dich veraendert hast, nicht der spiegel.


Ich glaube es ist allen ersichtlich, dass Aust den Spiegel nicht von einem Tag auf den anderen schlagartig verändert hat.
Ich habe vor ca 10 Jahren angefangen den Spiegel zu lesen und ich kann nunmal nicht umhin zu sagen dass er sich ganz eindeutig zum negativen verändert hat.
Allein schon der Aufschwung des Focus hat den Spiegl dazu gezwungen ihre Philosophie zu ändern, damit die Auflage nicht einbricht.
Ich finde es einfach signifikant, dass der Spiegel immer mehr Artikel veröffentlicht, die früher so nicht darin gestanden hätten.

wer das von dir angesprochene tsunami-titelbild fuer eines der "blutigsten und haertesten" fotos haelt, muss wohl ein ziemliches sensibelchen sein. wo war denn da blut zu sehen? ich glaube auch nicht, dass du mir irgendein "blutiges und hartes" (im sinne von rotten.com) titelbild des spiegels nennen kannst.
was du fuer gute pressefotografie befindest, ist aber auch vollkommen egal. ich verlasse mich da lieber auf die meinung von leuten die ahnung davon haben, naemlich der world press photo foundation. im spiegel gibt es eine menge der dort ausgezeichneten fotos, da kommt kaum eine andere deutsche zeitung dran


du stellst meine Aussagen in einen komplett neuen zusammenhang. Ich habe nie gesagt, dass das Tsunami-Titelbild eines der "blutigsten oder härtesten" ist.

Es sind zwei Paar Schuhe. Erstes Paar: Ich halte das Titelbild einfach für unpassend und immernoch dramatisierend; zweites Paar: die Fotos in der Zeitung halte ich für vielfach überzogen Hart und Blutig. Ich errinner nur mal an das Bild der von einem wütenden Mob gelynchten US-Söldner in Afghanistan. Ich finde es nicht nötig so ein Bild über eine Viertel Seite zu veröffentlichen. Natürlich ist es richtig und auch wichtig solche Fotos der Öffentlichkeit nicht vorzuenthalten, aber es ist nunmal eine delikate Sache und ich finde der Spiegel überschreitet oft die entsprechende Grenze.

edit:
dir ist vermutlich nicht klar, das ironie und sarkasmus ebenfalls kennzeichen fuer polemik sind. sehr konsequent von dir, dass die taz deine erlaubnis dafuer bekommt, der spiegel aber nicht.

dir ist postwendend aber hoffentlich auch klar, dass Polemik ironisch und sarkastisch sein kann dass das aber im Umkehrschluss nicht heißt dass Sarkasmus und Ironie immer polemisch sind.

"überzogene dramatik" kann ich natuerlich vollkommen nachvollziehen. sind ja nur circa 3,000 menschen innerhalb einer stunde gestorben. und dann auch noch so gut wie nur amerikaner.

Was hat denn die Anzahl der Todesopfer damit zu tun?
Du schreibst am Kern meiner Aussage vorbei. Für mich war das Titelblatt kein Zeichen von besonderer Anteilnahme. Andersrum wird ein Schuh drauß. Das Titelblatt sollte allein die Verkaufszahlen steigern, was meiner Meinung nach Respektlos gegenüber den Opfern und den Hinterbliebenden ist.
Eine schwarze Fläche ist einfach kein adäquates Titelblatt für eine renommierte Zeitung, egal welche Tragödie in Relation dazu steht.


verstaendlich, dass dir als taz-leser das ganze vollkommen egal ist. denn die taz laesst das ganze lieber am 13.9 von mathias broeckers kommentieren, unter der ueberschrift "verschwoerungstheoretische anmerkungen zu einem terroranschlag". das ganze dann auch noch auf einer seite, die "die wahrheit" heisst. ganz grosses hallenjojo.


Deine Ferndiagnose über meine Zeitungsgewohnheiten sind wirklich sehr nett aber sind erstens falsch und zweitens völlig am Thema vorbei.

Eigentlich sagt dein geschriebenes doch nur aus: "Der Spiegel war vielleicht zu dramatisch aber die TAZ war noch viel schlimmer."

Ich find weder die eine noch die andere Angehensweise gut. Das sind aber wieder zwei verschiedene Paar Schuhe. Das eine ist Dramatik, das andere ist Verschwörungstheorethik.


eine zeitung, die artikel von einem typen veroeffentlicht, der allen ernstes behauptet, dass an entsprechenden tag keine juden im gebäude waren (kann man leicht nachpruefen, dafuer tragen sie ja gluecklicherweise einen stern), kann ich beim besten willen nicht ernstnehmen.
aber dem spiegel geht es um "ueberzogenen dramatik und pseudo-schockierung". alles klar, das leuchtet mir ein.


wieso bitteschön widerlegt das Geschreibsel in der TAZ meine Aussage über überzogene Dramatik im Spiegel? *???*


Hans Wurstsuppe
wenn ich das wort neoliberal ind er zeitung lese ; überhaupt wo

Wenn es für dich einen Unterschied macht, können wir ab jetzt auch gerne "wirtschaftsliberal" sagen. Bei neoliberal läuten mehr Alarmglocken, daher verwende ich es lieber und weiss auch, was ich damit bezwecke.

Zum Thema taz: Ich gebs auf, führt es halt zu Ende, wenn es sein muss...
Dabei hatte ich als NRW-Abonnent nicht mal dieses gottverdammte schwarze Ratzetitelblatt. Nein, auf meiner Ausgabe mit Redaktionsschluss 17 Uhr sah man den Vater aller Heuschrecken mit der Aussage "Münte, stopp Springer".

 [user:14152]

Hans Wurstsuppe
das kannst du mir aber gerne mal erlaeutern.

Dass ich das kann, glaubst du doch selbst nicht, oder? Lass gut sein.

Aber danke für deine Mühe, war an sich klar, dass hier für mich kein Blumentopf zu gewinnen, sondern nur viele Blumentöpfe zu betrachten waren.


Hans Wurstsuppe
Oliver Gehrs durfte in der taz mal wieder ran, scheinbar tut sich da was, ganz nach seinem Gusto.

Aust im Nacken

Beim "Spiegel" bahnt sich ein Richtungswechsel an. Nach dem Pro-Merkel-Kurs wollen die Gesellschafter über die politische Linie des Blattes sprechen.
[...]
Auch die Vermutung von Michael Jürgs, Aust liege ein Angebot des Springer-Verlags vor, den dortigen Fernsehvorstand zu übernehmen, die angesichts der guten Beziehung zwischen Jürgs und Aust wohl mehr als eine Vermutung ist, sorgt für Unruhe im Haus. Doch angesichts der besonderen Nähe zwischen Aust und Springer-Boss Mathias Döpfner, gilt schon lange nichts mehr als undenkbar. Und dass der einstige Springer-Gegner Aust für ein gutes Salär zu eben diesem Verlag wechselt, schon mal gar nicht.

Hinzu kommt, dass zum ersten Mal in der Spiegel-Geschichte die politische Ausrichtung des Blattes bei der nächsten Gesellschafterversammlung auf der Tagesordnung steht. Am 16. November wollen die Vertreter von G+J (25,5 Prozent), der Mitarbeiter-KG (50,5 Prozent) und Jakob Augstein als Sprecher der Familie (24 Prozent) über den Richtungswandel im Blatt sprechen. Das Unbehagen, das viele Redakteure angesichts der etlichen Titelgeschichten gegen Bundeskanzler Schröder und Rot-Grün befallen hat, ist also im Kreis der Eigentümer angekommen - wo man sich mittlerweile fragt, ob es so eine gute Idee war, nach dem Tod von Rudolf Augstein keinen Herausgeber mehr zu installieren, der den Chefredakteur kontrolliert. Als Hauptverantwortlicher des unverhohlenen Pro-Merkel-Kurses gilt indes nicht Aust, sondern der Berliner Büroleiter Gabor Steingart.

Mancher wünscht sich gar, dass sich der Chefredakteur persönlich vor den Eigentümern zur politischen Ausrichtung äußert - allerdings soll Aust bereits signalisiert haben, dass er dafür nicht zur Verfügung steht. Eins aber scheint sicher: Steingart, der lange Zeit als potenzieller Nachfolger von Aust gehandelt wurde, ist damit nicht mehr durchsetzbar.

Kein Wunder also, dass derzeit alle beim Spiegel nervös wie lange nicht sind: Der beleidigte Aust auf dem Sprung zu Springer, Steingart bei manchem Gesellschafter unten durch - da kommt plötzlich bei einigen Ressortleitern schon verloren geglaubtes Selbstbewusstsein auf - und die Frage, ob man nicht selbst der richtige Mann für die Spitze ist.


Quelle: taz, 31.10.05


Aust zu Springer, am besten mit Steingart im Gepäck - nur ein schöner Traum?


Bereits 5 Tage zuvor durfte Gehrs an gleicher Stelle schon mal zu seinem Lieblingsthema referieren, damals ging es um ein Portrait von Aust in der eigentlich zweiten (!) Ausgabe von Park Avenue.

Kleine Pferde

Die erste reguläre Ausgabe des Gesellschaftsmagazins "Park Avenue" von Gruner + Jahr will den Promis noch näher kommen, bei "Spiegel"-Chefredakteur Stefan Aust verglüht man fast.
[...]
So steht Aust also auf dem Bild im Heft schon noch ein bisschen herrenreiterhaft, aber eben auch nur irgendwie auf einer Wiese herum, und man darf nach Lektüre des Porträts in der Tat annehmen, dass Jürgs und er Freunde bleiben werden, sollten sie es denn überhaupt je gewesen sein. Denn eigentlich gibt es in dieser Eitelkeits-Klasse keine echten Freundschaften. Wohl deswegen scheitert Jürgs mit dem Vorhaben, das Park-Avenue-Herausgeber Klaus Liedtke im Editorial so skizziert: Man wolle durch "eine besondere Nähe, die auf Intimität, auf Freundschaft- oder Verwandtschaftsverhältnissen beruht, Einsichten und Ansichten" liefern, "die uns sonst verborgen geblieben wären". Das Buch, das ich über Aust geschrieben habe, bezeichnet Jürgs als "nachgetretene Biografie", die nicht vorurteilsfrei recherchiert worden sei, nur Altbekanntes auftische und Austs wahre Größe verkenne.


Quelle: taz, 26.10.05


Irgendwie mag ich den Gehrs, großes Kino dank sehr gehobenem, latent anmutenden Flaming - à la bonheur.
Deine Antwort an dieser Stelle? Dazu musst Du Dich einloggen.
Wenn Du noch keine Zugangsdaten hast, klick hier um Dir einen kostenlosen Zugang zu holen.
E-Mail
Passwort
Passwort vergessen?
Dauer-Login

Stefan Aust - des Spiegels Totengräber?

In den letzten zehn Minuten waren 54 Gäste und 15 User online:
MadMann, amd, Ixam, Il dudo, Halt!polizei, Sänä, Fivel.Mc.Floyd, ko'ben, Starek, schmock ING., poq, YourBrainDead, Boogeyman, Zenzimilia, Execration Text
Weitere Freds im Board "Presse":
<----ALX----> 18:41 13.06.08 "Kriminelle Ausländer" (177|1335)
CruSheR 18:04 08.06.08 Schock! Berliner Zoo verscherbelt Knut an Russen-Milliardär! (7|849)
sour_mash 18:03 30.04.08 "Heil Hitler, Herr Friedman!" (32|790)
-N-omen -N-ominandum 17:39 25.01.08 Craig Venter spielt Gott (20|561)
[user:11542] 01:32 15.07.07 Klage gegen Gott (12|534)
lithril 00:34 12.07.07 Gegen die muss mit aller Härte vorgegangen werden (15|815)
RaveN 16:01 04.07.07 Gehirnfick bei spiegel.de (15|799)
Arthur Dent 17:01 21.02.07 BND Nachrichtenaffaire(n) : Fall Kurnaz (13|648)
[user:20222] 11:02 17.01.07 Hakenkreuzteppich bei der "Bild" Zeitung! (22|1225)
muh?! 17:47 28.10.06 Skandal, ein Totenkopfbild! (42|1451)
Aktuelle Beiträge
YourBrainDead 20:02 Vier in einer Reihe gewinnen
amd 19:58 Erkenntnis des Tages
chill-o-matic 19:33 offtopicfred
Fivel.Mc.Floyd 19:31 Der Freu-Fred
LaGGeR 19:03 Serienjunks oder "Das können die doch JETZT nicht enden lassen!"
Noodlz 18:57 Der Höhepunkt des Tages
emily 18:25 Partytipps Hamburg
schmock ING. 18:25 the global brain
Eule aus Berlin 18:21 Erwischt worden
teekessel-sensei 18:05 Der Fragen Fred
IceHaze 17:59 Ich rauch mir nun ein Köpfchen-Fred
Farmer_ScoB 17:49 DER Outdoor-Growreport 2008, für alle!
Execration Text 17:37 Der bekifften Fred
Execration Text 17:26 Was hört ihr grad?