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Hab grad noch den schönen Text hier gefunden. Ist halt extrem lang, aber gut.
Hanf - mehr als nur Hasch "Hanf? - Was willst Du denn damit? Haschisch oder Marihuana rauchen?? Diese Frage mußte ich mir in den letzten Wochen oft von Leuten anhören, die mitbekommen hatten, daß ich eine Rezension des Buches "Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Cannabis — Marihuana — HANF" schreiben wollte. Sie zeigt deutlich, daß diese einmalige Pflanze inzwischen erfolgreich so verteufelt werden konnte, daß sich nur wenig Leute darüber im klaren sind, wie vielseitig sich Hanfprodukte verwenden lassen. Um diese Zustände zu ändern, wurde das Buch geschrieben, und aus genau diesem Grund wurde auch dieser Artikel geschrieben.
Obwohl es sich als sehr schwierig erwiesen hat, innerhalb kürzester Zeit eine für die Erstellung dieser i-mail ausreichende Menge Hanfpapier zu bekommen, ist es uns doch gelungen. Und wir sind stolz darauf, vermutlich die derzeit einzige Fach-schaftszeitung zu sein, die auf Hanfpapier gedruckt wurde.[1]
Wir befinden uns damit in bester Gesellschaft, da nicht nur das Buch über Hanf komplett auf Hanfpapier gedruckt wurde, sondern die meisten Bücher, die vor der industriellen Revolution erschienen (z.B. auch die Gutenberg–Bibel). Hanfpapier hält ca. 50–100 mal länger als Papier, das aus Papyrus gefertigt wurde, und ist auch dem heutigen "Holzpapier" überlegen, da es sowieso säurefrei hergestellt wird. Gerade aufgrund dieser Herstellung sind viele der seit Kolumbus' Zeiten[2] geschriebenen Werke nicht zerfallen und konnten deshalb überliefert werden.
Trotzdem sorgte die Vorstellung (der deutschen Erstauflage) des Hanfbuchs 1993 auf der Frankfurter Buchmesse für erheblichen Wirbel. Dem ursprünglich von Jack Herer geschriebenen Buch über die Geschichte einer Verschwörung, die zum Verbot des Hanfanbaus führte, sind in der deutschen Ausgabe weitere Teile hinzugefügt worden. Mathias Bröckers recherchierte, weshalb der Hanf auch in "die industrielle Vergessenheit" geraten konnte. Abschließend ist eine Studie des Katalyse–Instituts für angewandte Umweltforschung (Köln) beigefügt, das die industriellen Nutzungsmöglichkeiten und den Stand der Hanfforschung aufzeigt.
Was ist Hanf? Hanf, lat. Cannabis sativa L., gehört grob gesagt zusammen mit dem Hopfen zur Familie der Cannabinaceae und ist eine zweigeschlechtliche Pflanze. D.h. es gibt sowohl männliche als auch weibliche Pflanzen. Die weiblichen Pflanzen[3] sind stärker entwickelt als die männlichen, sind dichter belaubt und reifen später. Die Wurzel besteht aus einer ca. 30 bis 40 cm langen Pfahlwurzel, von der zahlreiche, bis zu 2 Meter lange Seiten-wurzeln abgehen, die den Boden bis in eine Tiefe von etwa 1–2 m durch-dringen, und ihn somit hervorragend aufzulockern vermögen.
Der grüne, später verholzende Stengel ist — wie auch die langstieligen und tiefgefiederten Blätter — mit Drüsen bedeckt und wird ca. 4 m hoch (Abbildung auf Seite 9). Aus den kleinen, unscheinbaren Blüten (Rispen–anordnung) entwickeln sich ca. 2–6 mm lange Früchte (Nuß) mit einem Durchmesser von ca. 3 mm. Von den Drüsen wird das Harz gebildet, das zu 80–90 Prozent aus Cannabinoiden besteht, sowie aus ätherischen Ölen, Phenolen, Terpenen und Wachsen. Aus einigen der zur Zeit 60 bekannten Cannabinoide (Cannabinol, Cannabidiol, …) werden Pharmaka hergestellt. Die psychoaktiven Cannabinoide des Hanfs, die aus Blattspitzen, Samenhüllen und Harz der weiblichen Pflanze gewonnen werden, stammen aus der Gruppe der Tetrahydrocannabiole (THC)[4].
Hanf stellt fast keine Ansprüche an den Boden, gedeiht an fast allen Standorten und in fast allen Klimazonen. Er hat sich hervorragend als Pionierpflanze bewährt, weil er allein aufgrund der Höhe und Dichte des Bestandes alles Unkraut vollständig unterdrückt. Hanf kann auch — im Gegensatz zu Baumwolle und Lein — mehrmals hintereinander an der gleichen Stelle angebaut werden; zudem ver-bessert er die Bodenstruktur erheblich! Der für gute Erträge notwendige, hohe Bedarf an Wasser, Stickstoff–, Phosphat– und Kalidüngung wird dadurch wieder "ausgeglichen", daß Hanf keine weitere Pflege und insbesondere keine Herbizide (!) be-nötigt.
Anwendungsmöglichkeiten Hanf ist nicht nur, wie oben beschrieben, hervorragend zur Boden-auflockerung und Bodenbereitung ver-wendbar. Er eignet sich ebenso für die Papiererzeugung, Herstellung hoch-wertiger Bekleidungsstücke, für medi-zinische Anwendungen, als Nahrung, zur Herstellung von Farben und Lacken, als Ausgangsmaterial für (umwelt-verträgliche) Brennstoffe, Kunststoff-ersatz, …. Sein kaum pflegebedürftiger Anbau und die vielfältigen Einsatzmöglich-keiten führten im 2. Weltkrieg dazu, daß der Anbau von Hanf angeordnet wurde! Er war zu wertvoll und vielseitig (da man nach ca. 100 Tagen die 4–6 m hohen Pflanzen ernten kann, also sogar zwei Ernten im Jahr möglich sind) als daß man auf ihn verzichten konnte. Warum also wird Hanf heute nur als "Rauschgiftlieferant" betrachtet und die folgenden Möglichkeiten außer acht gelassen?
• Hanf ist der älteste bekannte Webstoff: Er wurde früher nicht nur zur Herstellung von Schiffsegeln, Tauen, Zelten und Bettlaken verwendet, sondern auch für hochwertige und feine Kleidungsstücke. Aufgrund seiner Reißfestigkeit wurden u.a. die ersten Jeans aus Hanf hergestellt! Auch heute werden z.B. in China wieder/noch modische Kleidungsstücke aus Hanf hergestellt und (beispielsweise in die USA) exportiert[5]. Historisch gesehen wurde auch das Leinen oftmals nicht aus Flachs, sondern aus Hanf hergestellt. Gegenüber der Baumwolle hat Hanf nicht nur die Vorteile, daß er wärmer und reißfester ist, sondern auch, daß zu seinem Anbau und der Ernte (!) keine Chemikalien notwendig sind. (Über 50% des Herbizideinsatzes in den USA werden zum Schutz der Baumwollpflanzen verwendet. Nach der Entlaubung (zur Vereinfachung der Ernte) ist die Baumwollpflanze weder für andere Zwecke einsetzbar, noch ist sie selbstverträglich, d.h. sie kann nicht mehrmals hintereinander am gleichen Standort angebaut werden.)
• Einsatz in der Medizin: Cannabinoide können medizinisch eingesetzt werden bei Asthma, Epilepsie, Grünem Star, Tumoren, etc.
• Hanf als Nahrungsmittel: Hanfsamen enthalten große Mengen an Proteinen und essentiellen Fettsäuren. Nur Soja weist einen höheren Gehalt an Eiweißen auf. Für essentielle, unge-sättigte Fettsäuren wäre Hanf der unübertroffene Spitzenlieferant. Zudem läßt sich der bei der Pressung entstehende Rückstand, der Hanfsamen-kuchen, nach dem Mahlen oder dem Versetzen mit Malz in Kuchen, Brot oder Eintopfgerichten verwenden. Da Hanfsamen kein oder nur geringste Mengen an THC aufweisen, kann ein Mißbrauch ausgeschlossen werden. Hanf wäre also auch geeignet, die Probleme in der Dritten Welt zu bekämpfen.
• Energielieferant: Als nach-wachsender Rohstoff mit hoher Biomasseproduktion könnte sich Hanf auch zum "Retter" unserer Atmosphäre entwickeln. Die für unser Ökosystem unerläßlichen Reservoire an gebund-enem Kohlenstoff blieben nahezu unbehelligt. Aus Hanf lassen sich Öle (z.B. als Dieselersatz) und somit auch andere Flüssigbrennstoffe wie Methanol und Benzin herstellen. Durch Pyrolyse entstandene Holzkohle wäre ebenso denkbar und leicht herzustellen. Zusätzlich treten bei der Verbrennung keine Schwefelemissionen auf, die für den Sauren Regen verantwortlich gemacht werden.(Aus dem Hanf, der auf einem Hektar angebaut wird, können 4000–9000 l Öl gewonnen werden. Dabei beachte man, daß in den USA ca. 35 Millionen Hektar und in der EG ca. 30 Millionen Hektar Brachland liegen).
• Farben und Lacke wurden bis zur Prohibition fast nur aus Hanf anstatt aus Ölderivaten hergestellt.
• Fasergewinnung: Der als Nebenprodukt bei der Fasergewinnung entstehende Brei enthält einen Zelluloseanteil von 70–80 %. Zellulose ist ein biologisch abbaubares Polymer, aus dem u.a. auch Zellophan, Zelluloid und Rayon (anstelle von Nylon) hergestellt werden können. Es müßten somit keine fossilen Brennstoffe eingesetz werden. Hanf liefert innerhalb von 4 Monaten ca. 23 t Biomasse.
• Papierherstellung aus Hanf könnte das Abholzen der Wälder aufhalten. Unsere ozongeschädigten "grünen Lungen" hätten die Chance, sich zu erholen. Außerdem liefern 0,4 Hektar Hanf die gleiche Menge Zellstoffaser wie 1,6 Hektar Holz. Für jeden Hektar Hanf könnten zwölf ausgewachsene, ehrwürdige Bäume stehenbleiben. Hanfpapier wird säurefrei hergestellt (zerfällt also nicht), kann durch H2O2 gebleicht werden (anstatt Chlorbleiche) und muß nicht mit hochreaktiven Chemikalien auf Schwefelbasis behandelt werden (beim Holz zum aufbrechen des Lignins notwendig), ausreichend ist ein Sodaprozeß. Aufgrund der langen Faserlänge ist Hanfpapier reißfester und hervorragend zur Herstellung feiner Papiersorten geeignet (z.B. Banknoten). Zigarettenpapier, das nur aus Hanf hergestellt wird, liefert dafür den besten Beweis.
• Hanffasern lieferten besonders strapazierfähige, haltbare Bodenbeläge, die bei Bränden kein Gift freisetzen und keine allergischen Reaktionen hervorrufen.
Ein interessantes Rechenbeispiel: Würden nur 6 Mio ha der 30 Mio ha nach EG-Angaben stillgelegten Äcker mit Hanf bestellt, dann könnten in 100 Tagen: • 24 Millionen Tonnen Öl gewonnen werden, Dies entspricht in etwa dem Gesamtdieselverbrauch pro Jahr in Deutschland. Der Ertrag wäre mehr als doppelt so hoch wie bei Raps;, und zusätzlich entstünden:
• 36 Millionen Tonnen Hanfkuchen, der als ein eiweißreiches Nahrungsmittel weiterverarbeitet werden oder direkt als hochwertiges Viehfutter dienen kann. Nachdem aus den Samenkapseln hochwertige Antibiotika hergestellt werden könnten, blieben immer noch:
• 4,8 Millionen Tonnen Fasern (aus dem Stengel), die u.a. als stabile Textilfasern verwendet werden könnten. Aus den verbleibenden
• 6 Millionen Tonnen Hanfschäben aus dem verholzten Anteil des Stengels, die reich an Zellulose sind, könnte dann immer noch z.B. Papier hergestellt werden!
Kurios: Seit 1981 ist der Hanfanbau in der BRD gesetzlich verboten – mit einer Ausnahme: "Wenn die Hanfpflanzen als Schutzstreifen bei der Rübenzüchtung gepflanzt und vor der Blüte vernichtet werden".
Warum Hanf verboten wurde Das Ende des legalen Hanfanbaus begann Mitte der dreißiger Jahre in den USA, als mechanische Hanfschäl-maschinen und Maschinen zur Konser-vierung der zellulosereichen Hanf-zellmasse in technisch ausgereifter Form und zu erschwinglichen Preisen verfügbar wurden. Damit drohten nahezu allen Holz–, Papier– und Zeitungsunternehmen milliardenschwere Verluste. Als Urheber eines Komplotts zeichnen sich Hearst (Papierfabrikant), Du Pont (Kunststoff–, Farben– und Lackher-steller, der gerade ein neues Verfahren zur Herstellung von Plastik aus Kohle und Öl und neue Sulfat–/Sulfitverfahren für die Papierherstellung entwickelt hatte und patentieren ließ) und Mellon (Hauptgeldgeber von Du Pont) ab. 1931 ernannte Mellon (als Hoovers Finanzminister) den zukünftigen Mann seiner Nichte, Harry J. Anslinger, zum Leiter der neu organisierten staatlichen Rauschgift– und Drogenbehörde (FBNDD). Er blieb 31 Jahre auf diesem Posten.
1937 wurde (v.a. durch Anslinger), Marihuana zur gewalterzeugendsten Droge der Menschheit und größten Gefahr für die Kinder hochstilisiert. Rassistische Parolen gegen die schwarze Bevölkerung wurden in diesem Zusammenhang gleich "mitverbraten". Durch weitere Verschwörungen und illegale Ausnutzung von Regierungs-vollmachten verhinderte Anslinger eine weitere Marihuanaforschung und startete eine Hetzkampagne.
Marihuana — Haschisch — Hanf wurden erfolgreich verbannt, und durch den Einfluß der USA in der UNO setzte sich diese Verbannung weltweit fort.
Hanfanbau und Marihuana Die Herstellung von Marihuana geschieht aus den Zweigspitzen und Blättern, die des Haschisch aus dem reinen Harz der Hanfpflanze. Eine Hanfpflanze, die kein THC-haltiges Harz absondert, gibt es nicht. Aber: die Pflanze produziert umso mehr Harz, je mehr Blätter sie hat und je mehr Sonneneinstrahlung v.a. ihre Blätter bekommen.
Wird Hanf jedoch zur Fasergewinnung angebaut, so wachsen die Pflanzen als dicht stehende Stengel mit einem Anteil von nur ca. 10 % (des Gesamtgewichts) an Blättern Zudem wurden seit den 60ern spezielle, THC–arme Hanfsorten gezüchtet, von denen man "schon einen halben Sack rauchen müßte". Auch in der Studie des Katalyse-Instituts fragt man sich, warum "der Anbau von Faserhanfsorten, die praktisch THC-frei sind und sich daher nicht zur Drogengewinnung eignen […], ebenso verboten ist, wie der Anbau von THC–reichem "Drogenhanf", obwohl die Überprüfung des THC–Gehalts problemlos möglich ist."
In diesem Zusammenhang sei darauf verwiesen, daß das Papier dieses Heftes kein (!) THC enthält und zum Rauchen also ebenso ungeeignet ist, wie jedes andere Papier!
Fazit Die Beschäftigung mit der Nutzpflanze Hanf hat sich als so faszinierend herausgestellt, daß diese Buchrezension eher zu einem Plädoyer für den Hanf wurde. Ich habe aber gerade in den letzten beiden Wochen festgestellt, daß — nach der anfänglichen Skepsis jeder, der sich die Zeit nahm kurz über Hanf nachzudenken, von den Möglichkeiten begeistert war. Daß diese Möglichkeiten nach 40 Jahren, in denen kein deutschsprachiges Buch mehr über die Nutzpflanze Hanf geschrieben wurde, wiederentdeckt wurden, ist sicherlich der Verdienst von Jack Herer und Mathias Bröckers mit ihrem im Zweitausendeins–Verlag erschienenen Buch.
Als ich das Buch zum ersten Mal gelesen hatte, vermutete ich, daß es sich um einen gut gemachten Scherz handelt. Inzwischen hoffe ich aber, daß sich genügend Leute finden werden, die den Hanfanbau — trotz der anstehenden Auseinandersetzungen mit den meisten Industriezweigen — wieder möglich machen werden. In diesem Zusammenhang können wir uns sicher dem Inhalt der Wette von Jack Herer anschließen (er wettet um 10.000 US Dollar):
"Wenn wir, um unseren Planeten zu retten und den Treibhauseffekt umzukehren, künftig auf alle fossilen Brennstoffe und petrochemischen Produkte ebenso verzichten wollen wie auf die Abholzung unserer Wälder zur Gewinnung von Papier und landwirtschaftlichen Nutzflächen, dann gibt es nur eine Pflanze, die als nachwachsender Rohstoff dazu in der Lage ist, den größten Teil an Papier, Textilien und Nahrungsmitteln sowie des privaten und industriellen Energieverbrauchs zu liefern, und die zugleich die Umweltverschmutzung eindämmt, die Böden verbessert und unsere Luft reinigt: es ist ein alter Gefährte, der dies schon immer getan hat — Cannabis, Hanf, Marihuana" | |